Bayer-Konzern droht mit Standortverlagerung
-Leverkusen-
Der deutsche Chemieriese Bayer droht als Reaktion auf steigende Strompreise infolge der durch die Bundesregierung eingeleiteten Energiewende mit Standortverlagerungen seiner Produktionsbereiche in andere Länder.
Bayer-Vorstand Martin Dekkers betonte die für sein Unternehmen lebenswichtige Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Herstellern. Dafür könnte es notwendig werden, sich als global aufgestelltes Unternehmen zukünftig verstärkt über Produktionsverlagerungen ins Ausland Gedanken zu machen.
Der Wirtschaftwoche gegenüber erklärte er, dass Deutschland bereits jetzt, besonders in energieintensiven Branchen wie der chemischen Industrie, mit Wettbewerbsnachteilen zu kämpfen habe, die sich im Zuge der zu erwartenden Preissteigerungen noch erheblich verschärfen würden.
Dilemma der Industrie
Tatsächlich stecken deutsche Hersteller in diesem Zusammenhang in einem Dilemma. Während Privathaushalte zur Senkung ihrer Stromkosten problemlos Stromanbieter vergleichen können, indem sie unkompliziert mit dem Stromrechner Vergleich unterschiedlichste Angebote nebeneinander stellen, bleibt dieser Weg industriellen Großabnehmern wie Bayer weitgehend versperrt. Erstens sind die benötigten Strommengen zu groß, als dass sie von kleinen Anbietern, die oftmals auch als Preisbrecher auftreten, bereitgestellt werden könnten. Zweitens zahlen Großkunden bei den Stromkonzernen bereits heute rabattierte Preise mit zumeist ansehnlichen Abschlägen. Was für den Augenblick natürlich ein Vorteil gegenüber Privathaushalten ist, gereicht bei den prognostizierten, steigenden Energiekosten zum Nachteil, denn diese lassen sich nicht mehr im gewohnten Umfang billiger anbieten. Während der normale Verbraucher also die Möglichkeit hat, selbst bei steigenden Strompreisen die Stromanbieter zu vergleichen und so seine Kosten eventuell sogar zu senken, haben industrielle Abnehmer in jedem Fall das Nachsehen.
Fernost und Fusionsgerüchte
Bayer, dessen größtes Wachstumspotential ohnehin nicht in Deutschland sondern in Asien liegt, plant deshalb schwerpunktmäßige Investitionen in China. Dies würde die Konzernstandorte in Dormagen und Krefeld mittelbar bedrohen. Ohnehin gibt es Gerüchte, dass Bayer die dortigen Produktionen gerne verkaufen würde. Diese Überlegungen werden aufgrund der steigenden Strompreise sicherlich eher noch intensiviert. Zumal der Konzern derzeit seinen Pharmabereich ausbauen will und dafür durchaus Mittel aus Unternehmensverkäufen anderer Sparten gebrauchen könnte.
Zugleich wollte er auch Gerüchten an eine Fusion mit einem anderen Konzern keine Absage erteilen. Seine Aussage, dass sei weiterhin eine “theoretische Option”, klingt jedenfalls nicht besonders nach einem Dementi.
Wörtlich sagte Dekkers: ” Bei den heutigen Preisen für große Übernahmen ist es sehr schwierig, den Kaufpreis wieder hereinzuholen. Eine Fusion unter Gleichen ist viel eleganter.” Wie konkret diese Überlegungen tatsächlich sind, bleibt indes Spekulation. Über Namen möglicher Partner wollte er sich jedenfalls nicht äußern – man stehe ja grundsätzlich in Kontakt zu allen großen Namen der Branche.
Vielleicht ist Dekkers ja schon viel weiter, und prüft mögliche Fusionspartner so akribisch wie der findige Privatverbraucher Stromanbieter vergleichen.

21. August 2011 






